Guten Tag!
Diesen Eintrag habe ich ursprünglich am 21. Mai geschrieben, möchte ihn aber trotzdem noch einstellen.
Es könnte etwas holprig werden, denn mir sind in der Woche vor dem Tag, an dem ich diesen Text hier geschrieben habe, mehrere externe Denkanstöße gegeben worden, die ich gern näher erläutern möchte, die letztlich aber zu einer gemeinsamen offenen Frage führen.
Dass mein Notebook eine ganze Weile nicht funktionierte, habe ich bereits erwähnt. Über meinen MP3-Player, der seit über einem Jahren nur noch ein zombiehaftes Dasein fristete, habe ich dagegen noch nicht geschrieben. Jedenfalls hat er jetzt den Geist aufgegeben. Da ich bis heute noch keine funktionierenden Soundtreiber für mein Notebook finden konnte und nicht ohne Musik leben wollte (und es wahrscheinlich auch nicht könnte) bis ich Ende Juli wieder nach Deutschland fliege, blieb mir nichts übrig als einen neuen zu kaufen.
Nun haben wir das Problem, dass in Japan die meisten Menschen Musik mit ihren Handys hören und es sonst eigentlich nur den iPod gibt. Auch wenn mir die Firma mit dem Apfel ganz geringfügig sympathischer ist als Microsoft, ist mir ein iPod einfach zu teuer.
Schließlich habe ich in einem Elektronikfachmarkt einen MP3-Player von SONY gefunden und auch gekauft. Das war mir anfangs auch ein wenig zuwider, weil ich am Tag zuvor erst gelesen hatte, dass SONY eine von fünf Firmen sein soll, die den einflussreichsten Teil der Medien dieser Welt kontrollieren. Naja, es blieb mir nichts anderes übrig.
Wieder zu Hause hatte ich gewisse Probleme, die Software zu installieren, weil die japanischen Programme nicht mit meinem deutschen Windows kompatibel sind, der MP3-Player aber keine Dateien erkennt, die nicht mit der speziellen Software kopiert wurden. Ich konnte das Problem schließlich lösen und spielte dann diverse Lieder auf, die auf meinen alten MP3-Player nicht mehr draufgepasst hatten. Als ich fertig war, drückte ich nur auf Play und hörte dann erstmal mehrere Stunden Musik.
Es begegnete mir auch ein Lied, das mir damals, als es herauskam, gut gefallen hatte – »Neustart«. Als ich das Lied hörte und auf meinen MP3-Player schaute, der „Nevada Tan“ anzeigte, dachte ich noch so: „Die heißen doch jetzt wieder Panik, oder nicht?“. Jedenfalls gefiel mir der Song sogar noch besser als damals, sodass ich ihn in den letzten Tagen sehr oft gehört habe. Ende Mai hatte ich dann die Möglichkeit gegen Zahlung ins Internet zu gehen (die Nutzungsbedingungen hatte ich allerdings falsch verstanden, sodass ich am Ende etwa 10€ für drei Stunden bezahlen musste – es war das Geld aber trotzdem wert, denn ich habe mehrere sehr erhellende Videos und Artikel zu Themen wie Psychopharmaka und Klima aber auch zu Spiritualität gefunden) und mir nebenbei auch einige Lieder von der Band Panik heruntergeladen (ja, ich weiß, das ist illegal, aber ich werde mir sowieso die Alben kaufen, wenn ich wieder in Deutschland bin – aus Respekt und wegen der besseren Tonqualität). Zu Hause habe ich diese Lieder dann auf meinen MP3-Player kopiert und war begeistert:
Ein neuer Tag – Dazu fehlen mir die Worte; so kraftvoll und trotzdem so traurig.
Vorbei – Cooler Song und hey: im Video schreibt Franky(? kenne die Namen nicht) ein chinesisches Schriftzeichen (sogar in seiner traditionellen Form!) – ? bedeutet so viel wie »Ende«.
Lass mich fallen – Ja, so fühle ich mich auch oft!
Jeder – Dem Text schließe ich mich an.
Perfekt – Der Song ist wirklich perfekt; da muss ich nichts mehr hinzufügen. Ist zwar etwas sarkastisch, spiegelt aber ziemlich gut unsere Gesellschaft wider, besonders bemerkenswert sind die Worte „Was soll uns passieren? Wir haben Hartz IV, während Banker und Firmen uns kontrollieren.“, in denen nicht von und Staat oder Politikern die Rede ist – nein, von Firmen und Bankern.
Als ich am 21. Mai in der Bibliothek nach einem Stück Songtext schaute, das ich nicht richtig verstanden hatte (ja, die Jungs singen auf Deutsch und ich hab’s trotzdem nicht kapiert – ich stell mich bei Gelegenheit in die Ecke und geh mich schämen), stoße ich auf einige Pressemitteilungen zur Auflösung der Band. »Das gibt’s ja jetzt nicht.«, denke ich und finde über Umwege auch die erhellende Stellungnahme auf der Website der Band, die allerdings noch von 2009 ist.
Weil sie auf ihrer Unabhängigkeit beharrten, wurden die Jungs von Panik mehrfach nicht nur von ihrer Plattenfirma schikaniert sondern auch von den Medien gedisst. (Auch die Umbenennung in »Panik« soll hierauf zurückgehen, da ihre Plattenfirma den Namen der Band hinter deren Rücken für sich schützen ließ, sie beim Wechsel der Plattenfirma den Namen also nicht mitnehmen konnten.) Zum Glück wurde auf der offiziellen Website die Auflösung der Band als solche dementiert, aber erklärt, die Besetzung der Band würde radikal verändert – mal sehen, wie sich der Stil entwickeln wird…
Fazit: Wer seine eigene Meinung durchsetzen will, bekommt im Musikgeschäft auf den Deckel. Statt Individualität wird wie bei den (des-)informierenden Medien intellektuelle Prostitution angestrebt – dass Panik da nicht mitgehen wollten, finde ich sehr sympathisch.
Als ich Ende Mai im Internet war, fand ich neben 1000 neuen Spam-E-Mails auch einen neuen Kommentar in meinem Blog, in dem der Schreiber zunächst anerkennend feststellt, dass ich nicht blind durch die Welt gehe, um mir dann die Frage zu stellen, wie um alles in der Welt ich mit meiner Weltsicht Stipendiat bei der Roland-Berger-Stiftung werden konnte. Ich habe den Kommentarschreiber um detaillierte Erklärung gebeten und bekam prompt eine Antwort. Zu meiner Schande darf ich zugeben, dass ich die Argumentation nicht nur verstehen kann, sondern dass ich selbst sie zumindest in Teilen bereits verwendet habe, nur eben auf andere Sachverhalte angewandt.
Mein Vater und ich hatten im Vorfeld Recherchen zur Stiftung und zu Roland Berger angestellt, dabei jedoch nur die eine Seite angehört. „Wozu auch Gegenstimmen anhören?“, dachte ich damals wahrscheinlich, „Erstmal ist die Stiftung neu und dann wollen die mir helfen ohne dass ich dafür etwas geben muss.“
Nun hat aber der Kommentarschreiber recht harte Artikel als Belege angeboten und Roland Berger überzeugend mit McKinsey verglichen. Über McKinsey wusste ich bisher nicht viel, aber selbst beim Studium der prinzipbedingt eher konservativen Wikipedia stößt man auf Aussagen wie:
McKinsey wird oft als Prototyp der am [Aktienkurs] orientierten Unternehmensberatungen gesehen. Um den Marktwert eines Unternehmens zu erhöhen, würden oft umfangreiche Umstrukturierungen durchgeführt, wobei Entlassungen die Regel seien. Dieser Kritikpunkt fußt vor allem auf der Anwendung des Konzepts der Gemeinkostenwertanalyse in den 1990er Jahren. Heute machen Studien, die alleine auf Kostenreduktion zielen, nur noch einen kleinen Teil der Arbeit der Unternehmensberatung aus.
[…]
Der Betriebsrat der Berliner Klinikgesellschaft Vivantes warf McKinsey 2006 vor, abstruse Vorschläge gemacht zu haben. So sei die Abschaffung des Pförtners, die Ausdünnung der Rettungsstelle und die Reduzierung der Reinigung vorgeschlagen worden. [Kostenreduktion mache nur einen kleinen Teil der Beratungstätigkeit aus (s.o.), aber in Kliniken soll Reinigung reduziert werden? Wie bitte? – Anmerkung, Toshiki.]
Es ist zu bedenken, dass strategische Unternehmensberatungen keinerlei Entscheidungen vorgeben, sondern die Manager lediglich beraten. Es ist heutzutage üblich, vor wichtigen Entscheidungen mehrere unterschiedliche Beratungsunternehmen heranzuziehen. [Ich kann mir gut vorstellen, dass hier alle Seiten Ähnliches vorschlagen und es letztlich praktisch keine Rolle spielt, wie viele Unternehmensberatungen man konsultiert, aber das ist mein Gedankengang.]
(aus http://de.wikipedia.org/wiki/McKinsey vom 19.07.2007 19:26)
So viel zu McKinsey. Inwiefern sich diese Kritik auch auf Roland Berger anwenden lässt, habe ich noch nicht recherchieren können. Ich habe die Hoffnung, dass sich beim weiteren Nachforschen diese Vorwürfe in Luft auflösen, aber auch die Befürchtung, dass dem nicht so sein könnte, denn auch im Geschäftsleben gilt im Grunde, dass man sich entweder korrumpieren lassen muss oder irgendwann überall vor die Tür gestellt wird, womit wir wieder bei der intellektuellen Prostitution wären.
Hier stellt sich jetzt für mich die Frage, wie ich mich zukünftig in bezug hierauf verhalten soll. Für mich steht heute fest, dass ich kein Interesse daran habe, mich zu verkaufen. Somit kommen für meine Zukunft alle Tätigkeiten, die von Staaten oder großen Konzernen finanziert werden, nicht in Frage. Einen Mittelweg zwischen Beteiligung und Nicht-Beteiligung an solchen diversen Aktionen ist aus meiner Sicht nicht möglich. Denn wie man an diversen prominenten Beispielen sehen konnte, funktioniert Manipulation in den meisten Fällen – darauf muss ich es nicht anlegen. Sollte dieser subtile Weg nicht funktionieren, wird mit übler Nachrede weitergemacht. Mit Hilfe des Internets sind hiermit ohne viel Aufwand Ergebnisse zu erreichen, die für die betroffenen Personen fatale Folgen haben können (als Beispiel könnte man hier Andrej Holm anführen).
Es bleibt die Frage nach den Alternativen. Bis jetzt sind mir noch keine eingefallen, aber ich habe mich noch nicht ernsthaft mit dem Thema beschäftigt. Deshalb hoffe ich, dass mir noch etwas Brauchbares einfällt.
2 Kommentare
Wieso hast Du Dir nach langem Suchen einen Mp3-Player von Sony gekauft, obwohl Sony dafür bekannt ist, sehr speziell mit Daten umzugehen? Ein Klick bei Ebay und Du hättest Dir einen Player beispielsweise aus Hongkong schicken lassen können, der Englisch versteht und am Laptop unkompliziert als Wechselfestplatte behandelt würde.
Nun zu Deiner Zukunft. Du schreibst: “Es bleibt die Frage nach den Alternativen. Bis jetzt sind mir noch keine eingefallen, aber ich habe mich noch nicht ernsthaft mit dem Thema beschäftigt. Deshalb hoffe ich, dass mir noch etwas Brauchbares einfällt.”
Ich habe nicht verstanden, zu was Du Alternativen suchst. Alternativen zur Annahme eines Stipendiums von Verbrechern, die sich als Wohltäter tarnen? Oder geht es darum, was Du überhaupt mit Deinem Leben anfangen sollst? Wenn Du Geld für Deine Ausbildung brauchst, könnte ich Dir möglicherweise bald unter die Arme greifen.
Andererseits sind die Fähigkeiten, die man für die kommenden Szenarien in Deutschland und wohl auch dem Rest der Welt tatsächlich braucht, fast kostenlos zu erlernen. Auch wenn es, was die Intensität der Beschäftigung und des Lernens betrifft, einem Studium nahekommt. Diese Fähigkeiten ermöglichen ein etwas entspannteres Leben während andere verzweifeln. Bestenfalls sichern sie sogar das Überleben.
Dass es solche idiotischen Firmen gibt, die überall ihren eigenen Willen durchsetzen müssen, war mir nicht bekannt. Ich hatte bisher drei MP3-Player im Laden gekauft und alle zeigten im Menü alle Dateien an, die darauf gespeichert sind, inklusive der Verzeichnisstruktur. Selbst die beiden Apple-iPods, die ich bei Freunden gesehen hatte, funktionierten im Prinzip auf diese Weise (zumindest konnte ich die darauf gespeicherten Musikdateien abspielen, was ich bei meinem neuen MP3-Player nicht kann).
SONY ist nun auch nicht irgendwer, sondern eine der erfolgreichsten Elektronikfirmen. Ich bin also davon ausgegangen, dass man sich dort ein wenig am Common-Sense orientiert. Tja, zu dumm, dass das nicht der Fall war. Nun werde ich wohl zwei Jahre mit dem Ding klarkommen müssen. Und das nächste Mal höre ich dann auf den gesunden Menschenverstand und informiere mich vorher über die Funktionsweise des Produktes, das ich kaufen will. Da kann ich dann auch an Deinen Tipp denken, damit mir so etwas nicht noch einmal passiert. Dieses Mal ging das aber leider nicht, weil ich mit eBay nicht arbeiten konnte.
Dass Du von Englisch sprichst, erinnert mich an den Hammer des Produktes: Ich verstehe ja, dass die Software nur auf Japanisch ausgeliefert wird (Japaner sprechen halt nur Japanisch). Dass aber der MP3-Player ab Werk alle Menüs auf Englisch angezeigt, hat mich dann schon etwas verwundert. Ich dachte mir so: Englisch kannst du einigermaßen, du willst Japanisch lernen; also stellst du jetzt einfach mal die Sprache um. Nix da! Geht nicht. Für Japaner wäre das meines Erachtens eine Katastrophe. Die ganzen technischen Abkürzungen in den Menüs verstehe ja schon ich nicht (was auch zu erwarten ist, zumal man beim Googeln herausfindet, dass es sich dabei um Eigenkreationen von SONY handelt). Ein Japaner versteht da gar nichts mehr. Was haben die sich dabei gedacht, so ein Ding in Japan zu verkaufen?
Da darf ich mich ja schon fast schuldig fühlen, dass ich so einen Unsinn auch noch unterstützt habe. Naja, ich habe danach (unabsichtlich) etwas getan, was den Gewinn der Firma wieder zunichte machen sollte.
Alternativen suche ich zur intellektuellen Prostitution:
Im Prinzip ist dem so. Ich bitte Dich allerdings, Dich hier etwas differenzierter auszudrücken. Ich glaube, uns beiden ist klar, dass ein Fisch immer am Kopf anfängt zu stinken, und dass es ein unglaubliches Maß an Paranoia verlangt, anzunehmen, dass alle sich gegen einen verschworen haben. Ich gehe davon aus, dass die Masse der Menschen, die in der Stiftung arbeiten, dies aus positiver Motivation heraus tun, selbst wenn das, was Du über Roland Berger gesagt hast, wahr sein sollte.
Auch. Im Prinzip läuft es doch immer auf diese Fragen hinaus: Wer bin ich, mit welchem Ziel bin ich hier und wie erreiche ich dieses Ziel am besten?
Ich gehe auch davon aus, dass dem so ist. Allerdings sehe ich den Sinn des Lebens nicht im möglichst unbeschadeteten respektive gestärkten Überleben der kommenden Ereignisse, wie auch immer diese aussehen mögen und ob es nun zu einer Hyperinflation à la Weimarer Republik, einer Deflation schlimmer als die Große Depression, einem Bürgerkrieg kommen sollte oder auch allem zusammen. Natürlich sind Leben, Gesundheit und Freiheit wichtig, aber ich bin überzeugt, dass ich einen höheren Grund habe, hier zu sein, ein Ziel, das sich nicht auf mich und mein Überleben beschränkt.